Mehr Hitze, längere Aufenthalte in kühlen Kellerräumen und häufiger genutzte Klimaanlagen könnten die Radonbelastung in Wohngebäuden beeinflussen.
Klimawandel und Radon: Könnte das Lungenkrebsrisiko steigen?
Steigende Temperaturen verändern zunehmend unseren Alltag. An heißen Sommertagen bleiben viele Menschen lieber im Haus, nutzen Klimaanlagen oder suchen Abkühlung in Kellerräumen.
Was zunächst sinnvoll erscheint, könnte jedoch einen bislang wenig beachteten Einfluss auf die Gesundheit haben.
Eine im Oktober 2026 veröffentlichte Studie im Fachjournal Communications Sustainability untersucht, wie sich solche Verhaltensänderungen auf die Belastung durch das radioaktive Edelgas Radon auswirken könnten.
Warum Hitze die Radonexposition beeinflussen könnte
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das aus dem Boden in Gebäude gelangen kann. Besonders in Keller- und Erdgeschossräumen können erhöhte Konzentrationen auftreten.
Die Forschenden untersuchten insbesondere zwei mögliche Veränderungen: häufigere Aufenthalte in kühlen Kellerräumen und eine verstärkte Nutzung von Klimaanlagen bei reduziertem Luftaustausch.
Klimaanlagen erzeugen selbst kein Radon. Werden Räume jedoch überwiegend mit Umluft gekühlt und gleichzeitig seltener gelüftet, kann sich vorhandenes Radon stärker anreichern.
Hinzu kommt, dass Menschen bei großer Hitze möglicherweise mehr Zeit in Kellerräumen verbringen, in denen die Radonkonzentration häufig höher ist als in oberen Stockwerken.
Studie berechnet ein um 49 Prozent höheres Risiko
Für ihre Untersuchung entwickelten die Wissenschaftler verschiedene Szenarien und berechneten das damit verbundene langfristige Lungenkrebsrisiko.
Im kombinierten Szenario aus häufigerer Klimatisierung und längeren Kelleraufenthalten stieg die modellierte Zahl radonbedingter Lungenkrebstodesfälle für die zusammengefasste Bevölkerung Deutschlands, Frankreichs und Italiens von 86 auf 128 je 10.000 Menschen bis zum Alter von 85 Jahren.
Das entspricht einem rechnerischen Anstieg von rund 49 Prozent.
Wichtig: Diese Zahlen beschreiben ein hypothetisches Szenario. Sie bedeuten nicht, dass das Lungenkrebsrisiko durch den Klimawandel generell um 49 Prozent steigen wird. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen unter anderem vom Gebäude, der Radonkonzentration und dem Verhalten der Bewohner ab.
Was bedeutet das für Hausbesitzer?
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bei der Anpassung von Wohngebäuden an steigende Temperaturen auch die Raumluft berücksichtigt werden sollte.
Gut gedämmte Häuser und Klimaanlagen sind nicht grundsätzlich problematisch. Entscheidend ist, dass ein ausreichender Luftaustausch gewährleistet bleibt.
Auch wer seinen Keller regelmäßig als Homeoffice, Hobbyraum oder kühlen Rückzugsort nutzt, sollte die dortige Radonkonzentration kennen.
Da Radon weder sichtbar noch riechbar ist, lässt sich eine erhöhte Belastung nur durch eine Messung feststellen.
In Deutschland gilt für Aufenthaltsräume ein gesetzlicher Referenzwert von 300 Bq/m³ im Jahresmittel.
Fazit: Radonschutz bei der Gebäudeplanung mitdenken
Die Studie macht deutlich, dass sich nicht nur bauliche Veränderungen, sondern auch unsere alltäglichen Gewohnheiten auf die Radonexposition auswirken können.
Werden Kellerräume häufiger genutzt oder Gebäude stärker klimatisiert, lohnt es sich deshalb, auch die Radonbelastung im Blick zu behalten.
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